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erstellt von Kulawik Veröffentlicht 07.02.2018 18:54, zuletzt verändert: 07.02.2018 18:54

Während Matal die Hauptlast der epigrafischen Forschungen trug, wandte sich Agustín intensiv der Numismatik zu. [Fn. 3]

[…]

Die Absicht, das römische und das kanonische Recht in einem palingenetischen Großprojekt historisch-philologisch zu erforschen, hatte Agustín und Matal ebenso wie ihren Lehrer Andrea Alciati [Fn 5] folgerichtig auf die jungen For-- [S. 91] schungsfelder der Epigrafik und der Numismaitik geführt. Denn als Humanisten vertraten beide die Auffassung, dass die antiken Rechtsquellen nur dann zutreffend zu interpretieren seien, wenn man sie in den historischen und in den institutionellen Kontext ihrer Entstehungszeit stelle.

 

 

Fussnote 2: Jacopo Strada (um 1507–1588) hatte 1553–1555 in Rmo ausführlich Gelegenheit, Agustíns Münzsammlung auszuwerten, aus der er insgesamt 942 Stücke beschrieb. Diesen stehen ganze acht anitke Münzen gegenüber, die er aus Matals Besitz beschrieb [Jansen 1993: 231]

Fussnote 3: Immerhin nutzte auch Matal Münzen schon früh als Quellen zur römischen Institutionengeschichte. So berichtet er 1567, er habe die Ausgabe der römischen Fasti, die Onofrio Panvinio um 1550 vorbereitete, mit numismatischen Informationen unterstützt (BA Mailand, D. 501 inf. fol. 269r: 1567 Febr. 1, Köln: Matal an Panvinio in Rom): Dum consules tuos cum eruditis viris communicabas istic; me item tibi, quidquid ex antiquis nummis ad id colligeram, totum libenter tradidisse.

Fussnote 5: Alciati erkannte bereits 1504/5 bei der Arbeit an einer Geschichte Mailands, dass antike Inschriften eine wichtige Quelle für die römische Rechtsgeschichte und die allgemeine Geschichte sind: [Thomson de Grummond I 1995: 25]. Seine Inschriftensammlung sollte eine möglichst vollständiges opus apigraphicum für Mailand und Umgebung bieten: [Weiss 19569: 152f.] … Zu jeder Inschrift schrieb er eine Einleitung, die sich zu ihrer historischen Bedeutung äußerte und institutionengeschichtliche wie philologische Hinweise gab. Theodor Mommsen wertete Alciati deshalb als den Begründer der modernen Epigrafik: CIL V/2, 1877, 568f., 624–627. Seine ungedruckte Kollektion stand Epigrafikern des 16. Jahrhunderts in Abschriften zur Verfügung und förderte, indem sie neuartige Anforderungen an die Genauigkeit der Textaufnahme, an die exakte Lokalisierung des einzelnen Objektes und an die Kommentierung stellte, die Entstehung einer wissenschaftlichen Epigrafik: [Thomson de Grummond I 1996: 25]. Matals Sammlung sparte offenbar bewusst Mailand und die Lombardei aus, über die Alciati geforscht hatte: [Cooper 1993: 107]. – Auch der in Italien ausgebildete Jurist Aymar du Rivail, der mit der Historia iuris civilis et pontificii (Valence 1515) den ersten Versuch der neuzeitlichen Jurisprudenz wagte, eine Geschichte der Quellen des römischen Rechts und des Kirchenrechts zu schreiben [Moeller, Rivail 1907] [Maffei 1956: 138f.] [Maffei 1963: 29] [Ferrary 1995: 52–72], beachtete Inschriften und Münzen schon als Quellen von rechtsgeschichtlichem Wert: [Ferrary 1995: 54] – Zur Kritiik, die Agustín an der Arbeitsweise des Vorläuferts übte, s. [Ferrary 1995: 61, 63]