Blatt 93: St. Peter: Kassettendecken

erstellt von Kulawik Veröffentlicht 04.11.2013 17:22, zuletzt verändert: 22.10.2017 14:27

Zusammenfassung

Die minutiösen Darstellungen zur Gestaltung der Kassettendecken der Hauptarmtonnengewölbe fallen gegenüber den anderen Zeichnungen der St.-Peter-Gruppe durch die Verwendung eines anderen Grundmaßes auf, für das der Zeichner zwar seine aus den Antikenstudien bekannte Untergliederung in „p – o – ø“ verwendet, bei dem es sich aber zweifellos trotzdem um den palmo romano und nicht, wie man vermuten könnte, um den Französischen Fuß handelt. Erklärbar wird dies, wenn man annimmt, dass der Zeichner direkten Zugang zur Herstellung der Kassettenformen hatte oder an dieser selbst beteiligt war und daher über genauere Maße verfügte, als sie die übliche Teilung des palmoromano in zwölf oncie erlaubte. Da eine so genaue Vermessung der Kassetten selbst zudem nach der Fertigstellung der Gewölbe und dem Abbau der Lehrgerüste kaum zu erhalten gewesen sein dürfte, muss der Zeichner entweder vor ihrem Abbau anwesend gewesen sein oder aber auf Zeichnungen von Beteiligten zurückgegriffen haben. Zwar sind für die Zeit der Nennung von ‘Guielmo franciosio’ Anfang 1545 keine Arbeiten an den Kassetten belegt, jedoch könnte sein Bekanntschaft mit den falegnami und seine Nennung während der Herstellungszeit der Kassettenformen in anderen Bereichen der Fabbrica hinreichend sein, um ihm einen Zugang zu den Planungsunterlagen oder sogar eine Mitarbeit zu unterstellen. Bemerkenswert ist darüber hinaus die nur für die Regierungszeit Pauls III. Farnese zu erwartende Darstellung der Farnese-Lilien in den Ornamentleisten. Ob diese am Bau so ausgeführt wurden und späteren Veränderungen zum Opfer fielen, konnte noch nicht geklärt werden.

 

Allgemeines

AUFBEWAHRUNGKasten HDZ 3840; Mappe [13] = Bl.76–96, 109, 112, 113: Peterskirche
PROVENIENZSammlung Hippolyte Destailleur
FRüHERE INVENTARNUMMER DER KUNSTBIBLIOTHEK: „A 376,34 [?, S. 5]
URSPRüNGLICHER FOLIO-BAND: Bd. II,161–163 [?, S. 7]
ZAHL DER BLäTTER IM URSPRüNGLICHEN FOLIO-BAND: 1 [?, S. 5]
NUMERIERUNGEN DURCH VORBESITZER:
161“ / Recto: am unteren Rand mittig, 180°gedreht
162“ / Recto: Blattmitte, 180° gedreht
A 376,34“ / Recto: linke obere Ecke 180° gedreht

 

Technische Beschreibung

 

FORMATHälfte eines ursprünglichen Folio-Formates
ABMESSUNGEN419 mm × 289 mm
PAPIERQUALITäThell, mitttlere Festigkeit
GITTERABSTäNDE54 mm am Wz. / 34 mm neben dem Wz.
WASSERZEICHEN: zwei gekreuzte Pfeile mit sechsstrahligem Stern darüber
PAPIER: [noch zu ergänzen]
HEFTLöCHERkeine erkennbar
ZUSTAND: Das Folio-Format wurdevermutlich schon vor der Anfertigung der Zeichnungen in zwei Teile getrennt; es ist hochformatig bezeichnet, allseitig sehr sauber und gerade beschnitten, wobei wohl erst diese Beschneidung dazu geführt hat, dass die ohnehin zum Blattrand hin deutlich auslaufenden Zeichnungen verkürzt wurden. Das Blatt weist praktisch keine Verunreinigung oder Beschädigungen auf.
MASSANGABEN / GRUNDMASS: „p 9 – o 3 – ø 9“ / palmo romano“ [?] 
Anmerkung: Da in den Maßangaben als kleinste Werte Zahlen  6 auftreten, kann es sich nicht um die üblichen minuti des palmo romano handeln, sondern um eine noch kleinere Untergliederung, vermutlich also eine Zwölfteilung. Dieses kleinste Maß entspräche demnach 223,4 mm : 12 : 12 = 1,55 mm; da hierfür sogar Halbwerte angegeben werden, lägen diese somit bei weniger als 0,8 mm — ein Wert, der zweifellos weit über das hinaus geht, was am Modell realisierbar war, eigentlich selbst für die Gestaltung der Tonnengewölbe (in Gussbeton!) kaum sinnvoll reproduzierbar ist.
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