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Blatt 19: Teilaufriss der Aussenwand

erstellt von Kulawik Veröffentlicht 28.10.2013 13:59, zuletzt verändert: 22.10.2017 14:26

Zum Recto:

Dem Zeichner scheint es trotz der recht aufwendigen Wiedergabe des Gebäudeaufrisses nur darum gegangen zu sein, die wichtigsten Maße und die Orte der jeweils aufgenommen Details des Bauschmucks anzugeben — jedenfall weicht die Wiedergabe von der Realität zu sehr ab, als dass man die Zeichnung als Versuch einer kompletten Bauaufnahme zweier Gebäudeachsen ansehen könnte. Diese Abweichung bestehen vor allem in der Unmaßstäblichkeit, die von einer korrekten Orthogonal-Projektion weit entfernt ist; insgesamt scheint der Zeichner bei der Erstellung dieses Blattes das Gebäude selbst nicht vor Augen gehabt zu haben, sondern nur eine Arbeitsskizze von der Bauaufnahme. Auch die Tatsache, dass nur der AD als Zeichner und Schreiber dieses Blattes in Erscheinung tritt und offensichtlich darauf bedacht war, alle verfügbaren Informationen zu den Ordnungen der Aussenwand systematisch und übersichtlich anzuordnen, könnte dafür sprechen, dass es sich hier um ein am heimischen Zeichentisch entstandenes Blatt handelt, dessen Erstellung die Bauaufnahmen vor Ort voraussetzt: Da der Zeichner das vertraute französische Fussmass verwendet, kann auch weitgehend ausgeschlossen werden, dass für diese Zusammenstellung fremde Zeichnungen die Vorlage bildeten, deren Maße dann umgerechnet hätten werden müssen. Das erkennbare Bemühen, den Aufriss leicht perspektivisch anschaulich darzustellen, lässt darauf schliessen, dass hier ein Blatt vorliegt, welches einem möglichen Stich als Vorlage hätte dienen sollen: Denn aus diesem hätte der Betrachter/Benutzer dann sowohl einen Eindruck der Aussenordnungen als auch ihrer Details in übersichtlicher Weise entnehmen können.

 

Allgemeines

HEUTIGE AUFBEWAHRUNGKasten HDZ 3840a; (im Passepartout)
PROVENIENZ: Sammlung Hippolyte Destailleur
NUMERIERUNG(ENDURCH VORBESITZER: „20“ (Recto) / „21“ (Verso)
FRüHERE INVENTARNUMMER DER KUNSTBIBLIOTHEK: A 375,10
URSPRüNGLICHER FOLIO- BANDBd. III,20–21 [?, S. ?]
ZAHL DER BLäTTER IM URSPRüNGLICHEN FOLIO-BAND: 2

 

Technische Beschreibung

 

FORMATFolio
ABMESSUNGEN: 579 mm × 434 mm
PAPIERQUALITäT: hell, mittelfest
GITTERABSTäNDE38 mm / 58 mm
WASSERZEICHEN: sechstrahliger Stern im Kreis
PAPIERSORTE[wird nach Fertigstellung des Katalogs der Papiere ergänzt]
HEFTLöCHER: am unteren Rand mehrere
ZUSTAND: Das Blatt wurde vermutlich schon vor Anfertigung der Zeichnungen auf dem Verso (zweimal) mittig gefaltet, da diese darauf Rücksicht zu nehmen scheinen, während das Recto anscheinend vor dem Falten im Hochformat bezeichnet wurde. Das Blatt wurde später allseitig beschnitten und ist heute auf einen Papierrahmen aufgeklebt, wodurch die Ränder auf dem Verso teilweise trotz Beischriften (Additionen) verdeckt sind.
SCHREIBWEISE DER MASSANGABENp9 – o10 – ø11 12“ (recto und verso)
HAND: AD
TECHNIKFeder in brauner Tinte mit Lineal, nur in der Hauptzeichnung [Z] auch Gebrauch des Zirkels, die Bögen der anderen Teilzeichnungen sind alle freihändig ausgeführt; teilweise skizzenhafte Graphitvorzeichnungen, i. d. R. wohl zur Disposition des jeweils zu zeichnenden Objektes; Vorritzungen in der Hauptzeichnung des Recto zur Markierung der vertikalen Hauptachsen — diese Vorritzungen setzen sich aber auch im rechten Teil des Blattes fort, d. h. der Zeichner hat ursprünglich vielleicht beabsichtigt, mehr als zwei Achsen wiederzugeben und damit das gesamte Blatt zu füllen. Dann wäre für die Detailzeichnungen jedoch kein Platz mehr gewesen.
BESONDERHEITENeinige Teilzeichnungen z. B. der Gebälke [A], [F] und [Q] sind mit flüchtig hingeworfenen ‘Abbruchlinien’ abgeschlossen — ein Merkmal, das der Zeichner sonst kaum verwendet.

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