Blatt 84: St. Peter: Kuppel

erstellt von Kulawik Veröffentlicht 04.11.2013 15:00, zuletzt verändert: 22.10.2017 14:27

Zusammenfassung

Das Blatt gehört schon aufgrund seiner Fülle an Detailinformationen zu den Ordnungen der Kuppel und der Laterne zu einem der wichtigsten des gesamten Konvoluts: Obwohl die Einzeldarstellungen zu den Ordnungen auf Vorlagen beruhen dürften, die selbst schon die Maßangaben enthalten haben müssen, kann keine der Zeichnungen als maßstabs- oder proportionsgerecht charakterisiert werden. Eine direkte Abhängigkeit von den anderen Schnittdarstellungen der Kuppel oder vom Modell selbst besteht nicht, und einige Anhaltspunkte deuten darauf hin, dass die vorliegende Zeichnung nicht nur als die informationsreichste, sondern auch als die früheste unter den erhaltenen Kuppeldarstellungen anzusehen ist. Dabei ist aufgrund der Vielzahl und der Genauigkeit der Maßangaben mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Zeichnungen nicht nur auf Vorlagen für die Modellherstellung beruhen, sondern – wie in vergleichbaren Fällen anderer Bereiche der Basilika – schon auf konkrete Planungen für die Realisierung am Bau zurück gehen. Dagegen spricht nicht, dass die Kassettierung oder genauere Angaben zur konstruktiven Struktur der Kuppel fehlen: Letzteres lässt sich durch die Annahme einer massiven Kuppel erklären, während die Planungen für die Kassettierung erst zu einem späteren Zeitpunkt stattgefunden haben dürften, an dem der Zeichner selbst nicht mehr in engem Kontakt zur Fabbrica stand: Besonders die Abweichungen gegenüber dem noch zu Sangallos Lebzeiten entstandenen Blatt 267A der Uffizien, die der Anonymus Destailleur nicht mehr in seine Darstellungen übernommen hat, stellen ein starkes Indiz für diese Annahme seiner Abwesenheit von Rom vor Fertigstellung des Modells dar. Auch das Fehlen direkter Hiinweise auf die Kuppelkonstruktion (mögliche Doppelwandigkeit, Verbindungsgänge zwischen den einzelnen Bereichen) muss nicht gegen die hier vorgeschlagene Interpretation sprechen, da solche Details auch in anderen zeitgenössischen Architekturdarstellungen nur selten zu finden sind.

Die Detailgenauigkeit der Darstellungen und die Vielzahl der Maßangaben zu den Ordnungen bieten Material für eine eingehendere Untersuchung zu Sangallos Ansichten über die Säulenordnungen in Abgrenzung z. B. zu denen Vitruvs und den früheren Baumeistern von St. Peter, die aber hier schon aus Platzmangel nicht geleistet werden konnte.1

Allgemeines

AUFBEWAHRUNGKasten 30020; C-Format; im Passepartout
PROVENIENZ: Sammlung Hippolyte Destailleur
FRüHERE INVENTARNUMMERN DER KUNSTBIBLIOTHEK: „A 375,26–27“ [?, S. 4]
Die auf dem Blatt noch erkennbaren Inventarnummern lauten jedoch:
A 376–26“ / Recto: rechte obere Ecke des mittleren Blattes, 90° links
A 376–28“ / Recto: am rechten Rand, oberes Blatt, rechte untere Ecke, 90° links
A 376–29“ / Recto: rechte obere Ecke, 90° links
Anmerkung: Eine Inventarnummer „A 376–27“ fehlt also.
URSPRüNGLICHER FOLIO-BAND: Bd. I, 15–16 [?, S. 6]
ZAHL DER BLäTTER IM URSPRüNGLICHEN FOLIO-BAND: 3 [?, S. 4]
NUMERIERUNGEN DURCH VORBESITZER:
15“ / Verso: am linken Rand des unteren Blattdrittels, 90° links
16“ / Verso: mittig unterhalb des oberen Blattrandes, 180°

 

Technische Beschreibung

FORMATübergroßes Format, aus einem Folio und einem halben Folio-Blatt zusammengesetzt
ABMESSUNGEN: 885 mm × 443 mm
PAPIERQUALITäT: mittelfest, hellgrau, aber verschmutzt und nachgedunkelt
GITTERABSTäNDE54 mm am Wz. / 34 mm neben dem Wz.
WASSERZEICHEN: zwei gekreuzte Pfeile mit Stern darüber / ungefähr in der Blattmitte, d. h. in der Mitte der oberen Hälfte des unteren Teilblattes
PAPIER[noch zu ergänzen]
HEFTLöCHER: am unteren Rand
ZUSTAND: Das Blatt ist aus einem halben und einem vollständigen Folio-Format zusammengeklebt; die Zusammenfügung erfolgte vor der Anfertigung der Zeichnungen. Das Halbblatt (im folgenden bezeichnet als Teilblatt I) bildet das obere Drittel und ist mit ca. 335 mm etwas breiter als ein genau halbes Folio-Format. Das Blatt wurde am Klebefalz, am Mittelfalz des unteren Teilblattes (im Folgenden bezeichnet als Teilblatt II), unterhalb des Klebefalzes sowie am unteren Rand jeweils quer gefaltet. Am unteren Rand befinden sich auch die nur z. T. paarigen Heftlöcher. An den seitlichen Rändern wurden bei modernen Restaurierungen breite Papierstreifen angefügt. Mit dem linken Papierstreifen ist es im Passepartout in der ganzen Höhe befestigt, so dass die Rückseite nur durch Umblättern einsehbar ist und nicht aus dem Passepartout entnommen werden kann.

Da das Blatt durchgehend am linken Rand stärker verschmutzt ist, dürfte sich hier die ursprüngliche Standseite des Folio-Bandes befunden haben. An den Falzen weist es Stauchungen und leichte Beschädigungen auf, die ebenfalls bei modernen Restaurierungen ausgebessert wurden.

 

Das Blatt wurde nach dem Bezeichnen allseitig beschnitten, wovon die Zeichnungen teilweise betroffen sind: So fehlen besonders am unteren Rand die Enden einiger Maßlinien, weshalb nicht klar ist, worauf sich die entsprechenden Maßangaben im Einzelnen beziehen. Denkbar ist, dass ein hier anzuschließendes Blatt den Bereich der Pendentifs darstellte.

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